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Informationspflicht der Öffentlich Rechtlichen ?

Was für eine verrückte Woche. Es ist nicht leicht, die vergangenen fünf Tage aus Berliner Sicht in wenigen Sätzen zusammenfassen.

Zu viel ist passiert. So viel wie in kaum einer Hauptstadt-Woche in diesem Jahr.

·         Koalitionsvertrag fix 

·         Streit um Verteilung der Ministerien und Postenkampf

·         Gabriel-Aus und seine darauffolgende SPD-Schelte 

·         Ablöse beim SPD-Vorsitz: Nahles statt Schulz

·         SPD-Debatte über Außenminister Schulz –gefolgt von dessen Rückzug

·         Unmut in CDU über Merkel und den fehlenden Generationswechsel 

Eine Eilmeldung nach der anderen. Nur in den Polit-Talkshows von ARD und ZDF findet nichts von alledem statt. „Maischberger“ am Mittwochabend, nur Stunden nach der GroKo-Einigung? Entfällt, wegen Fußball-DFB-Pokal. „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend? Entfällt, wegen der „Mädchensitzung“ des Kölner Karnevals. „Anne Will“ auf dem Top-Sendeplatz am Sonntagabend nach dem „Tatort“? Macht Karnevals-Pause. Stattdessen läuft „Mordkommission Istanbul“. Und „Hart aberfair“ an diesem Montagabend? Stattdessen kommt „Karneval in Köln2018“.

Wenn es die Talkshows in dieser Fülle gebraucht hätte, dann in dieser Woche

Keine Frage: ARD und ZDF haben in einzelnen Sondersendungen viel über die GroKo-Einigung berichtet. Sie haben spannende, exklusive Beiträge und Interviews ausgestrahlt, etwa am Sonntagabend mit der Kanzlerin bei „Berlin direkt“ (wenn es brenzlig wird, geht Merkel eben gerne ins Fernsehen). Auch in „Tagesthemen“ und „heute journal“ wurden Zuschauer gut informiert.

Aber: Was die Talkshows angeht, haben ARD und ZDF in dieser Woche versagt und ihren Auftrag verfehlt, einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten. Wenn man die wöchentliche Fülle an Talkshows einmal gebraucht hätte, dann doch wohl in dieser ereignisreichsten Polit-Woche des Jahres. Stattdessen: ein Totalausfall.

Die Inhalte des Koalitionsvertrags, die Ministerienverteilung, der CDU-Unmut, der Schulz-Sturz, der SPD-Neustart – jedes Thema für sich wäre einen Polit-Talk wert gewesen. Sigmar Gabriel und Andrea Nahles bei „Anne Will“, Alexander Dobrindt und Kevin Kühnert bei „Maischberger“, die verschmähten Jens Spahn und Thomas de Maizière bei „Maybrit Illner“: Was für packende Diskussionen mit welch spannenden Beobachtungen und Erkenntnissen wären in dieser Woche möglich gewesen.

Karneval ist keine Entschuldigung dafür, dass ARD und ZDF zu unflexibel sind, ihr Programm umzustellen

Auf Anfrage von FOCUS Online teilt die ARDbezüglich "Anne Will" mit: „Eine Ausgabe von ‚Anne Will‘ war am Sonntag im Programm des Ersten nicht vorgesehen. Gleichwohl hat die Redaktion ‚Anne Will‘ natürlich intensiv  daran gearbeitet, außerplanmäßig zu senden. Allerdings hatten sich potenzielle Gäste für eine einstündige Gesprächssendung an diesem Sonntag offenbar Zurückhaltung auferlegt.“

Selbst wenn mancher Spitzenpolitiker, wohl vor allem aus den Reihen der gebeutelten SPD, nicht als Talk-Gast zur Debatte stand, so hätten Politiker aus der zweiten Reihe sich gewiss weniger gescheut, in die Sendung zu gehen. Ganz abgesehen von Oppositionspolitikern oder Politikwissenschaftlern und anderen Experten. Das Bedürfnis nach Einordnung wäre in jedem Fall groß gewesen in dieser Woche.

Doch Chance verpasst, ARD und ZDF. Für 17,50 Euro im Monat darf der Rundfunkbeitragszahler durchaus ein wenig Flexibilität erwarten. Karneval oder Sportübertragungen sind keine Entschuldigung dafür, dass die öffentlich-rechtlichen Sender offenbar zu bequem sind, ihr Programm angesichts des Polit-Ereignisses des Jahres kurzfristig umzustellen. Schade.

Quelle: Focus Online


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